E Dampfen Forum

Normale Version: Lust auf Zigarette - wann hört die auf? 3-3-3-1 - Regel
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ich versuche mal, hier ein paar Aspekte des "Entzugs" etwas zu sortieren, wobei ich mehr Wert auf Handhabbarkeit als auf anatomische Genauigkeit lege  Smile

Autobahnen im Hirn
1. Unsere "neuronalen Raucher-Autobahnen" sind eng vernetzte und durch die häufigen bzw jahrzehntelangen Wiederholungen wunderbar geschmierte Netzwerk-Gebilde.
Wenn ein Trigger an irgendeiner Stelle "Rauchen" aktiviert, dann wacht das ganze Netzwerk auf, und wir sind extremst versucht, auf die gewohnte Autobahnauffahrt einzubiegen.
Das kann, wie erwähnt wurde, der Anblick eines Aschenbechers sein, der Geruch aus einem Tabakpäckchen, an der Supermarktkasse an den Pyroschachteln vorbei kommen etc.

Dieses Netzwerk verschwindet nicht, kann aber trocken gelegt werden, nämlich indem ein neues angelegt und zukünftig ausschließlich benutzt wird. Allerdings muss dieses neue sehr engagiert und intensiv "befahren" werden, damit es eine Chance gegen das alte hat.
- Daher HWV (ständig neue Koppelungen des neuen "Dampfer-Netzwerkes" mit Belohnungsreizen).
- Daher Forumsaktivitiät (immer intensivere Vernetzung mit den "sozialen Netzwerken" (innen und außen)  Smile  im Hirn à la: Ich bin nicht allein. Es gibt jederzeit Verständnis, Zuspruch, Rat und Hilfe, Nestwärme etc für mich!)
- Daher die ständige Herausstreichung der Vorteile des Dampfens (immer mehr angenehme Assoziationen, also dichtere Vernetzung innerhalb des Netzes).

Aber es dauert, bis der Automatismus, zB Aschenbecher => Rauchimpuls, also auf die alte Autobahn einzubiegen, nach und nach der neuen automatischen Denk-Assoziation, also zB Aschenbecher => Hey, ich dampfe ja, hab ich Glück, dass ich den Ascher nicht mehr brauche! weicht.

Nikotinrezeptoren

2. Davon unterscheiden würde ich die Sache mit den Rezeptoren.
Die frühere Theorie, keine Ahnung, ob @ Beli die heute noch so durchgehen lassen würde Wink , ging so:
Verbranntes Nikotin bewirkt eine rapide Vermehrung der Nikotinrezeptoren im Hirn, mit jeder Pyro wieder.
Und weil die viel zu vielen Rezeptoren alle zusammen schreien: "Feed me!", wenn der Nik.zuschub alle ist, haben wir dieses unerträgliche Verlangen nach der nächsten Pyro (Craving oder auch Schmacht genannt), das zwar die lieben kleinen Rezeptoren kurz mal ruhig stellt (und wir die eintretende Stille nach dem Gebrüll dann als entspannend erleben  Smile  ), aber der Spiegel geht ja schnell wieder runter, das Feed me!-Gebrüll hebt wieder an und die nächste Pyro muss unbedingt sein.

Durchs Dampfen füttern wir auch eben diese Rezeptoren, aber nicht "mit der Kohlenschaufel" wie mit den Pyros, sondern mehr so in einem stetigen Strom kleiner Häppchen. Wie stark diese Zufuhr sein muss, entscheidet die individuelle Dichte der angezüchteten Nik.rezeptoren.
Die werden dann zwar auch satt, wenn auch nicht ganz so schnell, aber es bilden sich keine neuen mehr und der Überschuss baut sich langsam ab.

Das erklärt (alles aufs Dampfen bezogen):
- Warum der Körper selbst über die zugeführte Nik.menge entscheiden sollte, nämlich zu Anfang viel und oft, damit die kleinen Rezeptorlis die Klappe halten.
- Warum sehr viele Dampfer von ganz allein ihre Gesamt-Tagesnikotindosis reduzieren ("18er vertrag ich nicht mehr")
- Warum nach bestimmten nur-Dampfphasen die Versuchung nochmal kommt:

Die 3-3-3-1 - Regel
Nach 3 Tagen sind die MAO-Hemmer-Reserven zuende und der bisherige meist langgewohnte CO-Spiegel im Blut ist weg => ein Stimmungstief kann eintreten. Durch den Wegfall des COs hat man eine verstärkte Selbstwahrnehmung und merkt dadurch den Wegfall der MAO-Hemmer leider sehr deutlich Huh

Nach 3 Wochen (an dieser Hürde bin ich früher, vorm Dampfen, dreimal gescheitert) macht sich der massive Abbau des Rezeptor-Überschusses bemerkbar, das Hirn muss sich sozusagen etwas umstrukturieren.

Nach 3 Monaten fühlt man sich schon etwas sicherer, und die erste Euphorie über den gelungenen leichten Umstieg lässt nach, Routine tritt ein. Eine weiterer Schwung an überflüssigen Rezeptoren ist abgebaut und das Hirn muss sich wiederum umstrukturieren.
An dieser Stelle ist auch wahrscheinlich eine Balance zwischen dem alten Raucher- und dem neuen Dampfer-Netzwerk im Hirn entstanden, also beide sind jetzt etwa gleich groß und dicht vernetzt.

Daher eine beliebte "Entscheidungsstelle": Welches Netz nehme ich in Zukunft?
Die Entscheidung wird dadurch noch schwieriger, als man nach 3 Monaten noch nicht unbedingt schwerere Krisen nur vom Dampfen begleitet bewältigt hat. Wenn also genau in dieser Zeit im Leben Schwierigkeiten auftauchen, droht, da sowieso grade Entscheidungszweifel, nochmals der Rückfall.

Nach 1 Jahr ist nochmals eine ähnliche Weichenstellung erreicht:
Einerseits steht hier das "Für immer ohne Pyros an", andererseits wird man vielleicht übermütig, wähnt sich sicher und raucht ein paar, dann schwupps ist die alte Autobahnauffahrt im Kopf wieder voll da und freut sich.
Ich vermute, dass nach ca. 1 Jahr auch die Nik.rezeptorendichte weit runtergegangen ist und diese einen letzten intensiven Großangriff starten. um ihre alten Herdengröße wieder herzustellen  Smile .

Die 3-3-3-1-Regel gibt natürlich nur eine ungefähre Nenngröße an, individuelle Abweichungen inbegriffen.

Also zusammenfassend:
Die Assoziationsketten/neuronalen Netzwerke auf der einen Seite, die Nik.rezeptoren auf der anderen.
Wenn es gelingt, die beiden zu unterscheiden, kann man, glaube ich, besser mit Schmachtattacken umgehen.

In Wirklichkeit dürfte das Ganze eher ein Gesamtprozess sein, aber mir hat es geholfen zu sortieren:
1. Will ich jetzt wirklich rauchen, nur weil da ein Aschenbecher steht? Nö, lieber Dampfen und genüsslich das machen, was ich als Raucher bei anderen verabscheut habe: Das Zuckertütchenpapier in den Ascher entsorgen  Smile

2. Will ich jetzt rauchen, weil ich unbedingt muss? Nö, ich füttere meine lieben kleinen Rezeptoren mit Nikotin aus meiner Dampfe bis zum Abwinken ("Überfressen" am Nik., Übelkeit) und übertöne damit auch die Hungerschreie der anderen Hirn-Aspiranten, von den MAO-Hemmer-Abhängigen bis zu den CO-Gewohnheitstieren  Smile

Letztendlich also hier der Tipp:

Am Anfang, genau genommen im 1. Jahr, viel und hochdosiert dampfen bei wenig Trägersubstanz-Konsum (also hochdosiertes Liquid bei nur ca. 8-16 Watt), erhöht die Erfolgsaussichten, vermindert Rückfallgefahr und Unverträglichkeits-Wahrscheinlichkeit durch PG, VG und Aromen.

Edit: Hier noch der Link zum Original-Thread aus dem ERF

Edit hat die Struktur übersichtlicher gemacht
+1

danke, gut geschrieben und deckt sich mit dem, was ich meinen Newbies immer versuche zu erklären. Jetzt werde ich ihnen einfach deinen Beitrag zeigen.
Eine schwere Krise kann (zumindest in meinem Fall) leider auch nach 3 Monaten alles erreichte verhauen.
Aber vielleicht bin ich da anders gebaut Zwinker
Sonst bin ich ganz bei dir.
Hallo Anneli,

sehr schön erklärt, auch wenn ich nur einmal den Drang hatte eine Pyro zu rauchen,
und danach nie wieder.

Aber ich werde es mir für zukünftiger Dampfer auch merken und gerne den Link weiterleiten.
Kann ich voll unterschreiben , die letzte Schmacht Attacke hatte ich nach ca. 1 Jahr ohne Zigarette !
War auch die letzte , jetzt kann ich es ganz leicht ausblenden aber man denkt nach wie vor daran.
Hallo, ja das kann ich auch alles so unterschreiben...aber selbst jetzt nach über
6.5 Jahren Dampfen habe ich ab und an richtig Lust eine zu rauchen,es ist kein
schmacht sondern einfach die Lust auf eine Kippe.Ich bleibe zwar standhaft und
habe seit dampfbeginn keine mehr geraucht, aber wenn ich jetzt eine Packung
kaufen würde wäre ich nach spätestens 5 Pyros wieder voll dabei.
dann bin ich wohl im 3-3-3-1 Schmachtzeitfenster. 
Habe seit gestern immer wieder daran gedacht eine zu rauchen und heute ist es extrem. 
Heute morgen habe ich mir fast eine Schachtel gekauft, da mein Tank gerade leer ging, habe diesen dann aber beim Laufen aufgefüllt (Nautilus 2) und erstmal ein paar tiefere Züge gemacht.  Biggrin
Dafür hatte ich im letzten Monat nicht mal einen Gedanken an den Pyros und wollte schon mein Nik von 12 auf 6 heruntersetzen...das lasse ich wohl erstmal.... Smile
Genau solche Beiträge haben mir vor gut 2,5 Jahren geholfen. Danke Anneli.

Und wenn der Schmacht kommt: Einfach mehr dampfen, und denken, dass es immer einfacher wird. Denn es wird immer einfacher!

Wenn es bei mir mal etwas brenzeliger wurde, habe ich mir meine bis dahin schon eingetroffenen gesundheitlichen Verbesserungen vor Augen gehalten. Und im Forum gelesen oder gepostet.

LG.

Ulli     Dampf03
Danke, Anneli!
Ich dampfe seit drei Monaten pyrofrei und habe von Anfang an 3mg Nikotin benutzt. Das hat bis letzte Woche wunderbar und ohne nennenswerte Entzugserscheinungen geklappt.
Eine richtig heftige Stresssituation letzte Woche hat mir aber gezeigt, wie dünn das Eis noch ist, auf dem ich dampfe.
Ich werde den Ratschlag von euch beherzigen und mir noch mein Lieblingsliquid mit 12 mg anmischen, falls die Versuchung wiederkommt.
Eine Frage dazu: Verändert sich der Geschmack des Liquids durch die höhere Nikotinmenge?
Nikotin ist das Maggi des Dampfers, sagte mal jemand Laugh
Also es macht den Geschmack, schärfer, würziger und runder, halt je nachdem, wieviel man zukippt.

Ich liebe Liquids mit ganz hoch viel Nik, dann schmeckts mir erst richtig und gibt ordentlich Hals-Krawumms, aber leider leider vertrage ich schon lange nicht mehr als 4 mg Sad

Probier einfach mal herum! Ist jedenfalls ein guter Plan Smile
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10